StaudämmmeDie ersten Bauarbeiten für Atlantropa waren im Westen bei der Gibraltar Meerenge und im Osten an den Dardanellen vorgesehen. Dort sollten die äußeren Zuflüssen vom Mittelmeer isoliert werden und zwar durch gewaltige Dämme, welche die beiden Meerengen wie “Korken” verschließen. GibraltardammIm Jahr 1927, als Sörgel noch mit eine Absenkungstiefe von 500 Metern operierte, hat der Künstler Marlo Zeno Diemer, der aus München stammte, die allererste Version des Gibraltardamms gezeichnet. Auf seiner Zeichnung sieht man fünf Wasserterrassen mit hintereinander liegenden Dämmen, jeder 100 Meter niedriger als der vorherige um den enormen Wasserdruck vom Atlantik auf mehrere Staumauern zu verteilen. Nach vier Jahren, im Jahre 1931, haben Sörgel und seine Ingenieure ein neues Dammwerk entwickelt, jedoch ohne Terrassen. Man wählte nicht die engste Stelle der Meeresenge, sondern eine relativ flache Wasserzone, die 20 Meter von dem vorher berechneten Ort entfernt war. Das kurvigenartiges Stauwerk orientierte sich an der geringsten Wassertiefe. Für ein solches Bauwerk müsste es ein ausreichend starkes Profil mit einer Breite von 1600 Meter am Meeresgrund und 100 Meter an der Dammkrone haben. Um den Transportweg zu verkürzen, entschied Herman Sörgel sich später dafür, das Material auf die Atlantikseite des Damms, nämlich an der Südspitze der Iberischen Halbinsel abzutragen. Diese Abtragearbeiten hätten zur Folge gehabt, dass die Stadt Tarifa und rund zehn Kilometer Land von der Costa del Luz - in einem Landgewinnung Projekt – verloren gegangen wären. Die von ihrem Umfang her beispiellose Ausbaggerung hätte zugleich ein wichtiges Teilbauwerk geschaffen: ein drei Kilometer breiter Speisungskanal, hätte das Wasser für die Kraftwerksturbinen sammeln sollen. Zur Ausbeutung der anströmenden Wasserkräfte vom Atlantik hätte man im Inneren des Damms ein unterirdisches Turbinenkraftwerk vorgesehen.Für die vier Kilometer langen Anlagen, die auf der Dammkrone steht, hat Emil Fernkamp eine Reihe von regelmäßig abgesetzten Maschinenhauszeilen Mittelmeerfront skizziert. Zum Superlativ neigten auch die anderen Projekte im Umkreis des Damms und des Kraftwerks auf der spanisches Seite. Die Architekten Peter Behrens und sein Assistent Alexander Popp dachten an eine gigantische Schachtschleuse mit zwei, mehr als 100 Meter hohen Kammern, damit die größten Seeschiffe den Damm passieren konnten. Desweiter dachten sie an ein Hochhaus aus Stahl und Glas, welches mit einer Höhe von 400 Meter der höchste Bau der Welt geworden wäre. In Friedenzeiten hätte dieses Gebäude als Aussichtsturm und Werbung für Atlantropa genutzt werden können. Eine andere Möglichkeit wäre die Verwendung des hohen Gebäude als Plattform für die Geschütze der Luftwehr gewesen, um die am meisten gefährdete Baueinheiten Atlantropas zu schützen. DardanellenstaudammDer zweiter Staudamm war um die Meerenge der Dardanellen zu schließen und das Wasser auf seinem alten Niveau zu belassen. Der Staudamm bei der türkischen Stadt Chanakkale mit einer Breite von 1200 Metern würde leicht zu bauen sein, da das Schwarze Meer von den riesigen Flußsystemen Donau, Wolga und Dnjepr automatisch gespeist wird und der sich daraus ergebene natürliche Überlauf vom traditonellen Stauwerk bewältigt werden kann. ![]() Sperra an Dardanellen zwischen Mittelmeer und Schwarzes Meer. Atlantropa-Film 1950. Deswegen haben Bruno Sigwart und Herman Sörgel eine Lösung entwickelt, die ein mit Schleusen versehener Stichkanal durch die griechische Hablinsel Gallipoli ist. Direkt daneben sollten auch 16 Rohrleitungen von je 8 Meter Durchmesser einen Teil des Schwarzmeerwassers zu einem der Großkraftwerke von Atlantropa lenken, welches eines Tages den Balkan und Südwestrussland versorgen sollte. TunisiandammIst einer der wichtigsten Dämme in Sörgels Atlantropa - sowohl als Hauptverbindungspunkt zwischen Nord und Süd, als Wasserscheide zwischen den Absenkungsniveaus im westlichen und östlichen Mittelmeer. Um die Südwestspitze Siziliens mit der neuen Küste vor dem Tunesischen Cap Bon zu verbinden, hat Sörgel an einen gigantischen Bauwerk von 66 Kilometer Länge und einem Kubikkilometer Inhalt, was dem halben Volumen des Gibraltardamms entsprach, gedacht. ![]() Tunisdamm. Zeichnung: Herbert Dübell, 1932 Um das Gefälle zwischen Ost und West auszunutzen sollte auf der Dammkrone das “Tuniswerk” als zweitgrößtes Kraftwerk Atlantropas gebaut werden. Da dieser Damm erst ein Jahrhundert nach dem Start der Arbeiten am Gibraltardamm begonnen werden sollte, glaubte Hermann Sörgel, die Ausführungsprobleme späteren Generationen überlassen zu können, da in 100 Jahren sicherlich die Technik weiterentwickelt sein würde. |