Philosophie


Herman Sörgel

Herman Sörgel war einer von den letzten,
der versucht hat, Architektur als Kunst im Ganzen zu verstehen. Sein Buch „Architektur Ästhetik“, das Architektur in ihrer Gesamtheit verstehen und erklären will, ist eine hervorragende Quelle. Denn hier geht es um die Grundlagen der Ästhetik, jeder Form des Bauens und des Gebäudes, auch wenn Sörgels Theorie und damit in Teilen auch diese Arbeit zu kurz greifen, da eine so umfassende Theorie nur auf Kosten der Aussagekraft und Anwendbarkeit gehen kann. Sörgels Ansatz ist auch nach über 80 Jahren überraschend aktuell, auch wenn die Sprache ein wenig verstaubt anmutet:

"Wie alle Kunst, ist auch die Architektur Menschenwerk, das Erzeugnis menschlicher Kraft, und wer das Kunstwerk nicht in der Sprache liest, in welcher es geschrieben ist, weicht seiner eigentlichen Eigenart aus. "

So geht Sörgel auch davon aus, dass jede Disziplin ein eigenes Medium darstellt, dass erst durch die Verwendung seiner ihm eigenen Eigenschaften zur Kunst wird. Sörgels Betrachtungen über das Wesen der Architektur sind auch sehr wichtig.

"Die Architektur ist also von ihren ersten Ursprüngen bis zu ihren erhabensten Schöpfungen, zu allen Zeiten und an allen Orten zum mindesten eine Beziehung zum Raummäßigen"

Sörgel trennt die Architektur von jenen Künsten, mit denen sie ihre wichtigsten Eigenschaften teilt: der Bildhauerei und der Malerei. Der Bildhauerei widmet sich Sörgel ganz besonders, da diese mit der Architektur den Raum als Material teilt.

"Wie ferner schon erwähnt wurde, entstehen Werke der Baukunst immer durch Addition [...] und Werke der Plastik durch Subtraktion [...]. Beim Entstehen der Architektur dagegen ist vorerst nichts vorhanden als ein Platz und auf ihm werden nun, wie bei einem Zusammenspiel die einzelnen Bauglieder aufgerichtet, zusammengesetzt. "

Der konstruktive Akt der Produktion von Gebäuden ist für Sörgel einer der Schlüssel zum Verständnis der Ästhetik der Architektur. Statik war immer ein wichtiges Element der Architektur, das nicht nur notwendig war, um das Gebäude überhaupt errichten zu können, sondern das immer auch die Form, die Ästhetik und den Diskurs um die Ästhetik der Architektur mitgeprägt hat, wie man z.B. an der Entwicklung im mittelalterlichen Sakralbau nachvollziehen kann. Entscheidend für das Verständnis von Architektur sind aber der Konstruktionsakt und die damit verbundenen Notwendigkeiten.

> Druckansicht