An der TU Darmstadt, Fachgebiet CAD in der Architektur, werden seit 1995 Synagogen, die 1938 von den Nazis zerstört worden sind, am Computer rekonstruiert. Das Projekt geht zurück auf eine studentische Initiative im Jahre 1994, einem Jahr, in welchem in Deutschland Ausländerfeindlichkeit und antisemitische Äußerungen sichtbar zunahmen. Es war das Jahr, in dem ein Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge verübt wurde.

Mit der Rekonstruktionen, die unter der Leitung von Prof. Manfred Koob und Dipl. Ing. Marc Grellert erfolgten, soll der kulturelle Verlust aufgezeigt werden. Gleichzeitig gilt es, die bauhistorische Bedeutung der Bauwerke in Erinnerung zu rufen, die Teil deutscher Städte und Straßenbilder waren, Teil der deutschen Kultur. Das Projekt geht der Frage nach wie mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologien neue Formen des kulturellen Gedächtnisses gebildet werden können.

Über 60 Studierende der TU-Darmstadt haben bisher an den Rekonstruktionen gearbeitet und durch ihren Einsatz das Projekt zum Erfolg getragen. Ergebnisse waren in Ausstellungen des Jüdischen Museums Frankfurt und der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn zu sehen bzw. werden in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung in der Bonner Kunsthalle wird ab 2004 auch im Ausland gezeigt werden, unter anderem in Tel Aviv und New York.

Das Projekt wird ergänzt durch ein interaktives öffentliches Internetarchiv, das im Rahmen einer Forschungsarbeit betreut wird. Es beinhaltet die Grundinformationen zu über 2200 deutschen und österreichischen Synagogen. Benutzer des Internets können weltweit Kommentare, Bilder, Links und Zeitzeugenberichte eigenständig hinzufügen.